< Deutschland – eine Bildungsdestination wächst immer weiter
26.10.2017 10:21 Alter: 3 yrs

Thailand: Angebots-Nachfrage-Lücke in der Hochschulbildung

• Die thailändische Bevölkerung altert schnell und sowohl die Erwerbsbevölkerung als auch der Bestand an Studenten im College-Alter sind in den letzten zehn Jahren geschrumpft • Die Gesamtzahl der Hochschulabsolventen ist seit 2011 ebenfalls zurückgegangen, und das Land verfügt über einen beträchtlichen Überschuss an Universitätsplätzen im Verhältnis zur aktuellen Nachfrage • Trotzdem bleibt die Nachfrage nach einem Studium im Ausland weiter hoch - vor allem nach Bildungsangeboten, die Thailand auf dem Weg zu einer hochqualifizierten, technologieorientierten Wirtschaft weiter helfen.


Thailand hat eine große demografische Herausforderung. Die Bevölkerung altert schnell und die Zahl der Studenten im College-Alter wird bis 2040 voraussichtlich stark zurückgehen. Das Land verfügt über mehr Universitätsplätze als nötig, und die Institutionen stehen zunehmend unter Druck, die Immatrikulationen aufrechtzuerhalten. Der Anteil der thailändischen Bevölkerung über 65 Jahre, hat sich in den letzten 20 Jahren von 5% im Jahr 1995 auf 11% im Jahr 2016 mehr als verdoppelt. Bis 2040 wird der Anteil auf über 25% weiter ansteigen.

Gleichzeitig werden Thailands Arbeitskräfte in diesem Zeitraum um rund 11% zurück gehen. Laut Weltbank fällt der Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in Thailand höher aus als in allen anderen Entwicklungsländern Asien und Pazifik, einschließlich China.  

Dieser demographische Wandel stellt Thailand vor eine Reihe von Herausforderungen. So muss die Produktivität der schrumpfenden Erwerbsbevölkerung erhöht werden und die wachsende ältere Bevölkerung versorgt werden. Im Bildungskontext ergibt sich die Notwendigkeit, die Kapazität und die Fähigkeiten des Bildungssystems an einen schrumpfenden Schülerpool anzupassen.

Herausforderungen der Universitäten

Die thailändische Hochschulbildung expandierte in den 80er Jahren (und danach) rapide, um mit der dann wachsenden Nachfrage im Land Schritt zu halten. Heute gibt es in Thailand 170 Universitäten und Hochschulen, darunter 71 Privatuniversitäten. Der größte Teil der Expansion des thailändischen Systems in den letzten Jahrzehnten ist durch die Einrichtung solcher privater Institutionen und in geringerem Maße durch die Umstrukturierung einiger öffentlicher Universitäten zur Eröffnung neuer, unabhängiger Universitäten entstanden.

Die Zahl der Studenten, die an thailändischen Universitäten immatrikuliert sind hat ihren Höhepunkt 2010 mit knapp 2,5 Million Studenten erreicht und sinkt seitdem.

Hochschulen reduzieren ihre Kapazität, um die Kosten im Griff zu behalten, aber die Zahl der Studenten nimmt weiter ab. University World News berichtete vor kurzem, dass sich rund 80.000 thailändische Studenten im Jahr 2016 bei der Prüfung der staatlichen Hochschulzulassung beworben haben, nach 100.000 im Vorjahr. Über das zentrale Universitätszulassungssystem (CUAS) des Landes waren 2017 knapp 110.000 Plätze verfügbar, was ebenfalls deutlich unter den mehr als 150.000 Plätzen von vor zwei Jahren liegt.

Dieser signifikante Abwärtstrends hat Beobachter veranlasst zu prognostizieren, dass einige thailändische Universitäten sogar schließen müssen. Private Hochschulen, sind hier besonders verletzlich. Dennoch hat die thailändische Regierung entschieden, den Bildungsmarkt für ausländische Konkurrenz zu öffnen.

Um die Qualität und Arbeitsmarktrelevanz der Hochschulbildung im Land zu erhöhen (und die Qualität bleibt ein hartnäckiges Thema innerhalb der nationalen Institutionen), werden jetzt ausländische Einrichtungen eingeladen, Zweigstellen zu betreiben, die in den Sonderwirtschaftszonen in Thailand tätig sein werden. Bis heute haben sich zwei hochrangige Universitäten beworben: Die Carnegie Mellon University hat vorgeschlagen, Logistik-Engineering-Programme anzubieten, während die National Taiwan University Kurse für fortgeschrittenes Ingenieurwesen anbietet.

Zahl der Studenten, die ins Ausland gehen, soll stabil bleiben

In einigen wichtigen Punkten - vor allem im schrumpfenden Pool an Studieninteressenten und dem Überangebot an inländischen Hochschulen - sind die Zahlen von Thailand als Outbound-Markt vor allem für die mittel- bis langfristigen Wachstumsaussichten schlecht.

Trotzdem waren die Outbound-Zahlen im letzten Jahrzehnt relativ stabil, in der Regel schwankten sie zwischen 25.000-26.000 Studenten pro Jahr im Hinblick auf die tertiäre Immatrikulation im Ausland und hauptsächlich an die Top-Destinationen in den USA, Großbritannien und Australien. Tatsächlich stieg der Gesamtumsatz 2015 auf mehr als 28.000, was teilweise auf die Stärkung der thailändischen Wirtschaft, aber auch auf die anhaltenden Bedenken hinsichtlich der politischen Stabilität und der Qualität der Bildung im eigenen Land zurückzuführen ist.

In Zukunft werden diese Qualitätsprobleme wahrscheinlich bestehen bleiben. So wird der staatlich Bildungssektor auf die erheblichen demographischen Veränderungen im Land reagieren müssen und so werden sich die in Thailand am meisten nachgefragten Studienfelder auch weiter verändern. Neue Programme in den thailändischen Hochschulen und neue ausländische Zweigstellen werden mehr qualitativ hochwertige Studiengänge anbieten.

Es scheint jedoch auch klar zu sein, dass die Anzahl der thailändischen Studenten, die ins Ausland geht, relativ stabil bleiben wird oder sogar weiter zunimmt. Denn nur dort gibt es genug Programmen, die den Übergang zu „Thailand 4.0“ gestalten können.